Wer spricht da eigentlich mit mir? Jede digitale Stadtführung braucht einen Charakter

Digitale Stadtführungen brauchen einen Charakter

Was macht eine gute, herkömmliche Stadtführung aus? Für mich ist das vor allem die Person, die mit mir spricht. Ich schreibe ganz bewusst: die mit mir spricht. Denn gute Stadtführer*innen schaffen genau das. Es fühlt sich an, als ob sie direkt mit dir sprechen.

Betrachten wir das Gegenteil: Ein mäßig motivierter Stadtführer, der die Informationen zu den Sehenswürdigkeiten gebetsmühlenartig aufsagt. Ein solcher Stadtführer wirkt auf mich wie ein vertonter Wikipedia-Artikel. 

In digitalen Stadtführungen brauchen wir motivierte Guides.

Digitale Stadtführungen haben den großen Vorteil, dass Gäste ganz unabhängig von Terminen sind. Sie können wann immer sie wollen starten. Ohne auf die Stadtführerin zu warten, ohne auf die Gruppe zu warten. Sie können ihr Tempo selbst bestimmen. An spannenden Orten können sie länger stehen bleiben, an langweiligen Orten schnell weitergehen. 

Doch diese Vorzüge kommen oft zu einem hohen Preis: den Führungen fehlt es an Persönlichkeit. Wo eine Person aus Fleisch und Blut noch einen witzigen Kommentar hat, passiert in den meisten digitalen Führungen nichts. Viele dieser Führungen sind das Negativbeispiel einer Stadtführung – sie sind vertonte Wikipedia-Artikel. 

Auch digitale Stadtführungen brauchen Charakter.

Besonders ärgerlich für Gäste ist, dass es auch anders gehen würde. Es wird oft nur nicht die Zeit und Energie investiert. Und das hinterlässt einen faden Beigeschmack, der sich auch auf den Ort überträgt, in dem die Führung stattfindet. 

Eine digitale Stadtführung braucht einen Charakter. Doch was heißt das genau? In einer ganz analogen Führung würden wir zuerst überlegen, wer die Führung geben kann. Die Person muss sich mit den Inhalten auskennen – das ist klar. Am besten hat sie dann noch eine charmante Art zu sprechen. Die Informationen sollen lehrreich und unterhaltsam sein. 

Unsere digitalen Guides können wir ganz ähnlich auswählen. Wir sprechen hier von der Persona, die die Führung verkörpern soll. So eine Persona könnte eine historische Person sein, die in irgendeiner Weise mit dem Ort verbunden ist. Im Audioguide der Stadt Potsdam führt zum Beispiel Kaiser Friedrich die Besuchenden durch die Stadt. 

Der Vorteil ist, dass uns die Realität nicht einschränkt. Wenn es keine passende Person gibt, dann erschaffen wir eine!  In unserer Führung durch den Potsdamer Ortsteil Golm, haben wir uns für einen fiktiven Charakter entschieden. Unser digitaler Guide ist hier ein Reiher, Ronni der Reiher. Als Wappentier des Ortes, führt Ronni der Reiher durch das ehemalige Dorf.

Wann wird eine Persona glaubwürdig?

Es reicht noch nicht, der Führung nur ein Gesicht oder eine Stimme zu geben. Zu einer Persona gehört ein kleines Universum, das wir aufbauen. Welche Werte vertritt sie? Wie ist ihr Charakter? Ist sie eher überschwänglich oder sachlich und nüchtern? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus der Persona eine glaubwürdige Figur.

Diese 5 Punkte machen eine Persona für digitale Guides glaubwürdig:

  • Sie muss sich natürlich in die Umgebung einfügen (ein Teil der Welt sein).
  • Sie braucht einen Charakter mit Eigenarten und eigener Wortwahl.
  • Sie braucht eine Stimme und ein Gesicht.
  • Sie muss intelligent genug sein, flexibel zu antworten (künstliche Intelligenz).
  • Sie muss gleichzeitig unterhaltsam und informativ sein.

Mit einer Persona haben wir die Chance, digitale Stadtführungen noch reizvoller zu gestalten. Der Ort bekommt eine Stimme und ein Gesicht, einen Charakter mit Erfahrung und Hoffnung. Als Entdeckende wollen wir in die Stadt eintauchen. Eine Persona ist der Schlüssel, um einen Ort lebendig zu erfahren. 

Wenn du mehr über über unsere Personas erfahren möchtest, abonniere unseren Newsletter. Dort schreiben wir regelmäßig über neue Stadtführungen und geben Einblicke hinter die Kulissen.