Smart City: Wochenendeinkauf über WhatsApp

Wie könnte ein Städtetrip aussehen, wenn ein Chatbot mein persönlicher Guide in der Stadt ist? Warum das zum Greifen nah ist, erfährst du am Ende des Artikels.

Smart City Neustadt

Heute bin ich früh aufgestanden, denn ich will nach Neustadt reisen. Ein klassischer Städtetrip. Online habe ich gesehen, dass man in Neustadt eine neue Idee ausprobiert: den Neustadt Guide. Ein Chatbot, der mein persönlicher Guide in Neustadt sein soll. Klingt erstmal spannend, also auf nach Neustadt!

Am Bahnhof angekommen, vibriert mein Smartphone. Der Neustadt Guide hat erkannt, dass ich am Neustädter Hauptbahnhof angekommen bin und begrüßt mich mit einer ersten Nachricht:

Willkommen in Neustadt, Erik! Was hast du heute vor?”

Direkt darunter erscheinen Buttons, auf einem steht “Historischer Rundgang durch Neustadt”. Das klingt super! 

Digitale Führung als Einfallstor in die Stadt

Der Neustadt Guide navigiert mich vom Bahnhof durch die Innenstadt und hält mich an den spannendsten Orten an. Ich bekomme Quizfragen und kann kleine Rätsel lösen, danach erklärt mir der Guide in Audiodateien, was es mit diesen Sehenswürdigkeiten auf sich hat. Nebenbei kann ich Punkte für jede richtige Antwort sammeln und damit einen kleinen Gutschein für ein Stück Kuchen in Neustadt erspielen. 

Unterwegs entdecke ich viele interessante Orte, darunter auch ein Museum über die Neustädter Funktechnik des 20. Jahrhunderts – spannend! Der Neustadt Guide fragt mich, ob ich direkt ein Ticket und eine Führung für den Nachmittag buchen möchte. Auf jeden Fall möchte ich das. Aber wie ist das mit der Bezahlung? Kein Problem, denn mit dem Neustadt Guide kann ich direkt bezahlen. Einfach den QR-Code scannen und bestätigen.

Warum nicht im Messenger shoppen gehen?

Erschöpft und hungrig von der vielen Eindrücken, suche ich nach einem Café in der Nähe. Dazu antworte ich dem Neustadt Guide und schreibe ihm im Chat:

Wo ist das nächste Café?”

Der Guide schickt mir den Standort des nächsten Cafés in meiner Nähe und ergänzt, dass es hier auch vegane Angebote gibt und in der Regel um diese Zeit freie Sitzplätze vorhanden sind. 

Während ich hier im Café meinen erspielten Kuchen genieße, merke ich, dass ich gern noch bis morgen bleiben möchte. Es gibt einfach so viel zu entdecken. Ich schreibe meinem Neustadt Guide: “freie Hotelzimmer” und erhalte eine Auflistung der Hotels in Neustadt, die derzeit noch freie Zimmer haben. Ein paar kurze Chatnachrichten später, ist mein Zimmer gebucht, bezahlt und bereit für den Check-In. 

Ärgerlicherweise, habe ich für eine Übernachtung nicht gepackt. Doch auch dafür hat der Neustadt Guide eine Lösung. Ich finde alle lokalen Gewerbe finde ich direkt im Chat, inklusive angebundener Shopsysteme. Ich fülle meinen Warenkorb mit den nötigsten Dingen, um mich auch am nächsten Tag noch frisch zu fühlen. Während ich am Nachmittag ins Museum gehe, holt ein lokaler Fahrradkurier meine Einkäufe aus den Geschäften ab und liefert sie ins Hotel, wo sie in meinem Zimmer auf mich warten.

Smart Cities sind zum Greifen nah

Klingt das nach einer Utopie für dich? Wir sind bereits auf dem Stand der Technik, um alles daran umzusetzen. Intelligente Chatbots, die touristische Führungen, Gästebefragungen, Navigation, Shopping und Bürger*innenbeteiligung anbieten, können bereits jetzt so funktionieren, wie im Artikel beschrieben. 

An jedem Bahnhof könnten bereits jetzt QR-Codes hängen, mit denen Chatbots beispielsweise für WhatsApp, Telegram oder den Facebook-Messenger aufgerufen werden. Diese Chatbots könnten im Design der Stadt erstellte digitale Guides sein, die all diese Funktionen in einer vertrauten digitalen Umgebung bieten.

Was uns fehlt, ist eine Entscheidung dafür. Und der Mut, ein so großes Projekt anzugehen. Bist du der oder diejenige, die den Mut hat?

Was haben die Formel 1 und digitale Stadtführungen gemeinsam?

Warum die Zielgruppen unter 35 Jahren andere digitale Stadtführungen brauchen, als wir bisher gewohnt sind und warum ausgerechnet Chatbots dabei helfen können.

Vor Kurzem habe ich einen langjährigen Freund besucht, der mit der digitalen Welt weniger Berührungspunkte hat. Seine Heimat ist die analoge Welt, seine Hobbies finden in der Natur statt. Umso erstaunter war ich, als er mir von seiner neuen Leidenschaft erzählte: er schaut jetzt Let’s Plays* auf YouTube an. Genauer: Let’s Plays, in denen Formel 1 gefahren wird.

*Für diejenigen, die sich diese Welt noch nicht erschlossen haben: Let’s Plays sind Videos, in denen man anderen Menschen beim Spielen von Videospielen zu sieht. 

Nach meinem Besuch habe ich mich gefragt, warum ihm das gefällt. (Denn ich hab’s wirklich nicht kommen sehen.) Und dabei habe ich etwas Wesentliches über digitale Stadtführungen gelernt.

Mehr als nur Gedaddel 

Die Formel 1-Spiele sind weit mehr, als nur ein Autorennspiel. Sie sind seit Jahren zu Simulationen gereift. Diejenigen, die professionell spielen (ein riesiger Markt!), haben keinen klebrigen Controller in der Hand, sondern sitzen in nachgebauten Fahrzeugkabinen vor dem Bildschirm. Sie steuern das Spiel über Pedale und ein Lenkrad – der größte Unterschied liegt darin, dass sie die Wohnung für ihren Sport nicht verlassen müssen. 

Was reizt nun meinen guten Freund an diesen Let’s plays? Sie kombinieren zwei Dinge: sportlichen Wettkampf und Unterhaltung. Ich verstehe nichts von Formel 1. Alles was ich weiß ist, die Rennen dauern ewig, die Moderatoren sind langweilig und irgendwas mit Michael Schuhmacher. 

Analog trifft digital

Dieser Freund erlebt das anders. Für ihn sind das spannende Kopf-an-Kopf-Rennen, Fahrstrategien und technische Perfektion. Das größte Problem ist der geringe Unterhaltungswert auf langen Strecken. Der trockenen Sportmoderation fehlt es an Witz, Spontanität und Jugendlichkeit. Eine jüngere Zielgruppe braucht moderne Formate. Und ich rede hier nicht von Jugendlichen, sondern von allen Menschen unter 35 Jahren, die mit dem Internet groß wurden. Zumindest zu einem erheblichen Teil ihrer späten Jugend. 

Diese Zielgruppe sehnt sich nach unverbrauchter Unterhaltung. Und deshalb funktionieren diese Let’s Plays für diesen Freund von mir. Sie machen seinen Sport unterhaltsamer, ohne an Spannung zu verlieren. 

Noch einmal, weil es so wichtig ist:
Menschen unter 35 Jahren verlangen nach anderen Unterhaltungsangeboten. 

Digitale Stadtführungen müssen neu gedacht werden

Klassische Stadtführungen, in denen eine Sprecherin Informationstexte über Sehenswürdigkeiten vorliest, funktionierten früher gut. Doch die Zeiten haben sich geändert. Wir sind eine höhere Frequenz an Unterhaltung gewohnt. An schnellere, witzigere, abwechslungsreichere Angebote. 

Wir müssen Stadtführungen neu denken. Digitale Stadtführungen treffen die Bedürfnisse nach Unabhängigkeit und Flexibilität. Im nächsten Schritt müssen sie das Bedürfnis nach Unterhaltung erfüllen. Mit interaktiven Elementen ist das kein Problem mehr.

Gute Stadtführungen setzen bereits auf Quizfragen, Rätsel, Interaktionen mit der realen Welt und ganz vielfältige Wege, Informationen zu Sehenswürdigkeiten zu bieten. Darunter fallen neben Audionachrichten auch Videos, Animationen und 360°-Aufnahmen. 

Doch in der Regel haben digitale Stadtführungen eine Schwäche: sie sind kein Mensch. An den Stellen, wo wir einer Stadtführerin mal eben nebenbei eine Frage stellen können, müssen wir in digitalen Stadtführungen mit dem leben, was im Vorfeld programmiert wurde. 

Deshalb brauchen wir Chatbots für digitale Stadtführungen

Wir von der Blaue Dächer Digitalwerkstatt setzen deshalb auf Chatbots für digitale Stadtführungen. Die können nämlich alles, was eine gute Stadtführung braucht, und zusätzlich können sie noch flexibel auf Fragen antworten. Möglich macht das eine künstliche Intelligenz. Während der Stadtführung können dem Chatbot einfach Fragen gestellt werden, wie wir es alle gewohnt sind: per Chat. 

Dadurch kombinieren wir die Vorteile der neuen Unterhaltung mit der Flexibilität einer echten Person. 

Am Ende ist es genau das, was mein Freund in den Let’s Plays gefunden hat: Ein echtes Erlebnis, das durch den digitalen Raum erweitert wird. 

Darum brauchen digitale Stadtführungen eine Geschichte

Moderne Stadtführungen können mehr sein, als nur poppig erzählte Info’s zu diesem oder jenem Gebäude. Sie können uns auf eine Reise mitnehmen, auf der wir den Ort und seine Eigenarten selbst entdecken. In einer schnelllebigen Zeit, in der wir es gewohnt sind, immer unterhalten zu werden, müssen wir auch Stadtführungen neu denken. 

Menschen wollen Geschichten hören.

Menschen wollen Geschichten hören. Wir sind ständig umgeben von Geschichten. Kolleg*innen, die über gestern schimpfen, Fotos unserer besten Freunde, die von ihrem Urlaub schwärmen oder Werbeanzeigen, die oft kleine Kurzfilme sind.  Menschen wollen auf eine Reise mitgenommen werden. Und auch digitale Stadtführungen sollten wie eine Reise gedacht werden.

Es geht nicht darum, Stadtführungen als “Fast Food” aufzubereiten, das Nutzer*innen schnell nebenbei “wegsnacken” können. Im Gegenteil: durch eine mitreißende Geschichte vertiefen wir das Erlebnis, das Nutzer*innen während der digitalen Stadtführung haben. Wir ermöglichen ihnen, noch tiefer in das Stadtgefühl einzutauchen. Deshalb sind unsere digitalen Guides mehr, als nur eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. 

Eine gelungene Stadtführung braucht

  • einen Themenschwerpunkt als Aufhänger
  • eine authentische Figur, die die Stadt repräsentiert (dazu hier mehr)
  • eine Story, die sich als roter Faden durch die Stadtführung zieht
Worum soll es gehen?

Zuallererst sollten wir unseren Schwerpunkt wählen, der charakteristisch für den Ort ist. Das kann die Industriegeschichte der Stadt sein, die sich besonders gut anhand der Funktechnik erzählen lässt. Oder, wenn wir an eine Museumsführung denken, könnte es um die Darstellung von Bäumen in Gemälden der Renaissance gehen. Dieser Schwerpunkt mag auf den ersten Blick ziemlich speziell wirken. Es ist jedoch weniger wichtig, welcher Schwerpunkt gewählt wird. Wichtig ist, dass überhaupt einer gewählt wird. Der Fokus dient letztendlich als Aufhänger für alle weiteren Informationen, die über den Ort erzählt werden sollen. 

Beispiele für Themenschwerpunkte, die wir setzen können:
Für Stadtführungen:

  • Industrie- /Architekturgeschichte der Stadt
  • Jüdisches Leben in der Stadt
  • Stadt aus Sicht von Jugendlichen/Senioren/…
  • Leben einer historischen Person in der Stadt 

Für Naturorte, Zoos und Museen:

  • Kommunikationsverhalten von Primaten 
  • Paläontologische Perspektive 
  • Mit den Libellen entlang der Uferkante
  • Darstellung der Rollenbilder in den Gemälden der Epoche XY
Wer verkörpert das Thema?

Ist der Schwerpunkt gesetzt, wählen wir uns eine Figur, die das Thema verkörpert oder in besonderem Bezug zum Ort steht. Das könnte das Wappentier sein, wie beispielsweise in Potsdam Golm. Dort führt der Reiher als Wappentier durch den Ort.

Wir können eine historische Persönlichkeit aufgreifen, die in Verbindung zum Ort steht. Doch Achtung: Goethe, Schiller und Kaiser Friedrich sind schon ziemlich langweilig. Wir brauchen frische Gesichter, die in den letzten 70 Jahren Kulturgeschichte weniger abgenutzt wurden. 

Alternativ können wir auch eine fiktive oder reale Person wählen, die stellvertretend für die Zielgruppe steht. In der digitalen Stadtführung für das Jugendforum Naunhof haben wir die Jugendlichen als Figur gewählt. Sie führen andere junge Menschen auf Augenhöhe durch den Ort.

Wie wird daraus eine Geschichte?

Zu guter Letzt wollen wir die “Hand voll Perlen” vermeiden. Was das ist? Als Hand voll Perlen bezeichne ich die lose Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. Wenn wir den Ort wirklich in Szene setzen wollen, brauchen wir die Storyline – eine Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch die digitale Stadtführung zieht. Dann wird aus den losen Perlen eine Kette. 

Diese Fragen bringen uns der Geschichte näher:

  • Auf welche Reise sollen  die Nutzer*innen mitgenommen werden?
  • Mit welchem Gefühl sollen die Nutzer*innen den Ort in Erinnerung behalten?

Viel zu häufig werden digitale Stadtführungen nur als technisches Problem betrachtet: man muss sie programmieren können. Doch in wirklich guten Stadtführungen steckt mehr. Wir alle wollen Geschichten hören – also sollten wir auch welche erzählen. 

Falls du jetzt Lust hast, deine Geschichte zu schreiben, dann mach einen Termin mit uns aus. 

Wer spricht da eigentlich mit mir? Jede digitale Stadtführung braucht einen Charakter

Digitale Stadtführungen brauchen einen Charakter

Was macht eine gute, herkömmliche Stadtführung aus? Für mich ist das vor allem die Person, die mit mir spricht. Ich schreibe ganz bewusst: die mit mir spricht. Denn gute Stadtführer*innen schaffen genau das. Es fühlt sich an, als ob sie direkt mit dir sprechen.

Betrachten wir das Gegenteil: Ein mäßig motivierter Stadtführer, der die Informationen zu den Sehenswürdigkeiten gebetsmühlenartig aufsagt. Ein solcher Stadtführer wirkt auf mich wie ein vertonter Wikipedia-Artikel. 

In digitalen Stadtführungen brauchen wir motivierte Guides.

Digitale Stadtführungen haben den großen Vorteil, dass Gäste ganz unabhängig von Terminen sind. Sie können wann immer sie wollen starten. Ohne auf die Stadtführerin zu warten, ohne auf die Gruppe zu warten. Sie können ihr Tempo selbst bestimmen. An spannenden Orten können sie länger stehen bleiben, an langweiligen Orten schnell weitergehen. 

Doch diese Vorzüge kommen oft zu einem hohen Preis: den Führungen fehlt es an Persönlichkeit. Wo eine Person aus Fleisch und Blut noch einen witzigen Kommentar hat, passiert in den meisten digitalen Führungen nichts. Viele dieser Führungen sind das Negativbeispiel einer Stadtführung – sie sind vertonte Wikipedia-Artikel. 

Auch digitale Stadtführungen brauchen Charakter.

Besonders ärgerlich für Gäste ist, dass es auch anders gehen würde. Es wird oft nur nicht die Zeit und Energie investiert. Und das hinterlässt einen faden Beigeschmack, der sich auch auf den Ort überträgt, in dem die Führung stattfindet. 

Eine digitale Stadtführung braucht einen Charakter. Doch was heißt das genau? In einer ganz analogen Führung würden wir zuerst überlegen, wer die Führung geben kann. Die Person muss sich mit den Inhalten auskennen – das ist klar. Am besten hat sie dann noch eine charmante Art zu sprechen. Die Informationen sollen lehrreich und unterhaltsam sein. 

Unsere digitalen Guides können wir ganz ähnlich auswählen. Wir sprechen hier von der Persona, die die Führung verkörpern soll. So eine Persona könnte eine historische Person sein, die in irgendeiner Weise mit dem Ort verbunden ist. Im Audioguide der Stadt Potsdam führt zum Beispiel Kaiser Friedrich die Besuchenden durch die Stadt. 

Der Vorteil ist, dass uns die Realität nicht einschränkt. Wenn es keine passende Person gibt, dann erschaffen wir eine!  In unserer Führung durch den Potsdamer Ortsteil Golm, haben wir uns für einen fiktiven Charakter entschieden. Unser digitaler Guide ist hier ein Reiher, Ronni der Reiher. Als Wappentier des Ortes, führt Ronni der Reiher durch das ehemalige Dorf.

Wann wird eine Persona glaubwürdig?

Es reicht noch nicht, der Führung nur ein Gesicht oder eine Stimme zu geben. Zu einer Persona gehört ein kleines Universum, das wir aufbauen. Welche Werte vertritt sie? Wie ist ihr Charakter? Ist sie eher überschwänglich oder sachlich und nüchtern? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, wird aus der Persona eine glaubwürdige Figur.

Diese 5 Punkte machen eine Persona für digitale Guides glaubwürdig:

  • Sie muss sich natürlich in die Umgebung einfügen (ein Teil der Welt sein).
  • Sie braucht einen Charakter mit Eigenarten und eigener Wortwahl.
  • Sie braucht eine Stimme und ein Gesicht.
  • Sie muss intelligent genug sein, flexibel zu antworten (künstliche Intelligenz).
  • Sie muss gleichzeitig unterhaltsam und informativ sein.

Mit einer Persona haben wir die Chance, digitale Stadtführungen noch reizvoller zu gestalten. Der Ort bekommt eine Stimme und ein Gesicht, einen Charakter mit Erfahrung und Hoffnung. Als Entdeckende wollen wir in die Stadt eintauchen. Eine Persona ist der Schlüssel, um einen Ort lebendig zu erfahren. 

Wenn du mehr über über unsere Personas erfahren möchtest, abonniere unseren Newsletter. Dort schreiben wir regelmäßig über neue Stadtführungen und geben Einblicke hinter die Kulissen.

Was für digitale Stadtführungen gibt es eigentlich? – Ein Überblick

Eine Stadtführung gehört bei einem Städtetrip einfach dazu. Gerade bei jüngeren Besucher*innen sind digitale Stadtführungen besonders beliebt. Sie sind zu jeder Tageszeit verfügbar, können flexibel pausiert werden und können einen ganz persönlichen Bezug zur Stadt schaffen. Doch es gibt scheinbar unendlich viele verschiedene Angebote. Da ist es schwer, den Überblick zu behalten. 

Ich habe für dich die verschiedenen Arten digitaler Stadtführungen zusammengefasst. 

  1. Selbstgesteuerte Touren
    1. GPS-Touren mit markierten Orten
    2. Touren über QR-Codes 
    3. 360°-Panoramen
  2. Gelenkte Touren
    1. Touren zum Lesen, Hören und Schauen
    2. Digitale Guides

Selbstgesteuerte oder gelenkte digitale Stadtführungen

Grundlegend können wir zwischen selbstgesteuerten und gelenkten Führungen unterscheiden. Bei den selbstgesteuerten digitalen Stadtführungen können sich die Nutzerinnen und Nutzer frei in der Stadt bewegen. Sie erhalten dann an vorgegebenen Orten Informationen zu Sehenswürdigkeiten der Stadt. Die Reihenfolge, in der bestimmte Plätze erkundet werden, spielt hierbei keine Rolle.

GPS-Touren mit markierten Orten

Eine Möglichkeit dafür sind GPS-Touren. Bei diesen Führungen haben die Entdeckerinnen und Entdecker in der Regel eine App, in der auf einer Stadtkarte die Sehenwürdigkeiten markiert sind. Bei einigen Apps muss man sich dem Ort erst nähern, bevor die Informationen zum jeweiligen Ort verfügbar sind. GPS verbraucht allerdings sehr viel Akku, weshalb es auf längeren Touren schon mal passieren kann, dass ältere Handys den Geist aufgeben. 

Touren über QR-Codes

Eine Alternative zu Wegpunkten über GPS sind QR-Codes, die in der Stadt an bestimmten Plätzen platziert werden. Die Nutzer*innen scannen diese Codes mit ihrem Smartphone und erhalten daraufhin mehr Informationen zum Ort. Bei diesen Touren muss bedacht werden, dass die QR-Codes regelmäßig überprüft werden müssen. Da sie draußen an öffentlichen Plätzen angebracht werden, können sie auf viele Arten beschädigt werden.

360°-Touren

Man muss nicht immer das Haus verlassen, um eine noch unbekannte Stadt zu erkunden. Mit 360°-Panoramen können wir uns virtuell durch eine Stadt begeben – oder genau genommen klicken. Diese Touren sind toll, um einen ersten Eindruck von einer Stadt zu bekommen, bevor man sie besucht. Wie so etwas aussehen kann, kannst du dir bei unseren Kollegen von vr-easy ansehen: www.vr-easy.com.

Neben den selbstgesteuerten digitalen Stadtführungen, gibt es auch noch die gelenkten digitalen Stadtführungen. Hier ist die Reihenfolge der Orte festgelegt und die Entdeckerinnen werden von Punkt zu Punkt navigiert. 

Digitale Stadtführungen zum Lesen, Hören oder Schauen

Besonders häufig finden sich Touren, auf denen Nutzende Informationen zur Stadt hören können. In diesen Audioguides steht für jeden Platz eine Audiodatei zur Verfügung, die mehr über den Ort verrät, an dem wir uns gerade befinden. Alternativ dazu gibt es auch Führungen, die gänzlich auf Texte setzen. Das ist das digitale Pendant zu Informationstafeln in der Stadt. Etwas seltener sind Touren die ausschließlich mit Videos arbeiten. Häufig ist der Aufwand sehr groß, Videos zu jedem der Orte zu produzieren.

Interaktive digitale Stadtführungen

In diese Kategorie fallen auch unsere digitalen Guides. Interaktive digitale Stadtführungen zeichnen sich dadurch aus, dass die Nutzer*innen die Führung aktiv erleben. Im Falle unserer digitalen Guides passiert das, indem die Entdecker*innen mit einem Chatbot schreiben, der ihnen Fragen stellt, sie von Ort zu Ort navigiert und ihnen an bestimmten Plätzen Informationen bereitstellt. In diesen Stadtführungen können Infos in jeder möglichen Form gegeben werden: als Text, als Audio, als Video, Foto, 360°-Panorama und vieles mehr. 

Ich habe mir viele verschiedene digitale Stadtführungen angesehen und ausprobiert. Am Ende bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass eines für digitale Stadtführungen besonders wichtig ist: 

Als Nutzer möchte ich eine lebendige und abwechslungsreiche digitale Stadtführung, die gut aufbereitete Informationen mit genügend Kontext bietet.

Mit diesem Grundgedanken haben wir unsere digitalen Guides entwickelt. Wenn du mehr dazu erfahren möchtest, findest du hier mehr Informationen über unsere digitalen Guides.

Warum wir digitale kritische Stadtführungen brauchen

Ich bin in Eberswalde aufgewachsen, eine Stadt im Nordosten von Brandenburg. Als wir unsere erste digitale Stadtführung, den Reiherbot, entwickelt hatten war mir klar: “Das will ich auch für Eberswalde machen!” Im Frühjahr 2021 war es dann soweit. Gemeinsam mit unseren Kollegen von vreasy und Gruß aus Berlin sollten wir ein historisches 360°-Panorama des Eberswalder Marktplatzes erstellen. Meine Rolle war es, die Inhalte zu recherchieren, aufzubereiten und in mitreißende Texte und Interaktionen zu formen.

Doch während des Schreiben kam ich in einen Konflikt. 

(Un-) kritische Stadtführungen

Eberswalde ist berühmt für seine Oberleitungsbusse, seine Spritzkuchen und die Eberswalder Würstchen. Eberswalde ist eine moderne Stadt im Einflussgebiet Berlins. Sie ist eine Studierendenstadt, eine Stadt der Kunst und der Natur. Über all das lässt sich wunderbar schreiben (im Ernst, habt mal ihr Spritzkuchen probiert? 🤤). Doch jede Stadtchronik hat auch ihre Makel. Kleine und große Verfehlungen und Fehlentscheidungen, über die wir reden müssen. Die wir aufarbeiten müssen. 

Ich habe mich in diesem Artikel ganz bewusst gegen ein Beispiel aus der NS-Vergangenheit, dem Kolonialismus oder anderen schrecklichen Kapitel unserer Geschichte entschieden. Diese Themen brauchen mehr Raum, als dieser Blogbeitrag bieten kann. Stattdessen möchte ich von einem kleineren Vorfall erzählen.

Das Marktplatz-Panorama in Eberswalde ist keine kritische Stadtführung. Doch es gehört zur Stadtgeschichte, dass beim Bau des Paul-Wunderlich Hauses archäologische Schätze wissend verschüttet und überbaut wurden. Die Archäolog*innen von damals beschreiben den Fund als einen der größten mittelalterlichen Funde der Region. Doch der Neubau war für die Stadt wichtiger und so bleiben bis heute wertvolle Ausgrabungsgegenstände verborgen, verwittern weiter und sind irgendwann verloren. 

Zu dieser Entscheidung trugen sicherlich viele Faktoren bei, die rückblickend und aus der Distanz nur schwer nachzuvollziehen sind. Darüber zu reden bleibt dennoch eine wichtige Aufgabe. Nur so lernen wir aus diesem Fehler.

Digitale Guides für kritische Stadtführungen

Mit kritischen Stadtführungen haben wir die Chance, auf einen Missstand aufmerksam zu  machen. Doch reicht es schon, nur Informationen bereit zu stellen? Viele kritische Stadtführungen setzen auf die direkte Interaktion zwischen Tourleiter*innen und Mitmachenden. Denn wir Menschen lernen erst so richtig, wenn wir mit einer Sache emotional in Berührung kommen.  

In einer digitalen kritischen Stadtführung ist es deshalb umso wichtiger, gehaltvolle und anregende Interaktionen zu bieten. Wenn es sich hierbei um Sprachnachrichten handelt, ist das schon ein Schritt in die richtige Richtung. Unser Gehirn merkt sich von auditiven Reizen mehr, als würden wir “nur” Infotexte lesen. Um jedoch wirklich was mitzunehmen, zu reflektieren und zu verinnerlichen, braucht es mehr. Dafür müssen wir einen aktiven Prozess anstoßen. 

Wir brauchen interaktive Elemente, die zuerst die Teilnehmenden denken lassen, bevor sie Informationen erhalten. Schon allein eine Schätzfrage zu Beginn eines Info-Blocks erhöht die Chance deutlich, dass sich die Mitmachenden mehr merken. Auch ein einfaches Quiz kann diesen Effekt erzielen. 

In Eberswalde wird die verlorene Ausgrabung mit der Frage gestartet, was für ein Schatz sich unter diesem Gebäude wohl verbirgt. Der Aufhänger ist dann eine Schachfigur aus Bernstein, die einen einmaligen Fund darstellt und stellvertretend für all die unentdeckten Gegenstände steht. 

Kritische Führungen müssen Massenware werden

Am Ende ist und bleibt die wichtigste Methode zum Lernen die Wiederholung. Was wir immer und immer wieder sehen oder hören, wird Teil unseres Gedächtnisses und damit Teil unseres Verständnisses der Welt. 

Angebote, die sich kritisch mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigen, müssen noch häufiger und präsenter werden. Eine digitale kritische Stadtführung ermöglicht allen, ihre Tour zu jeder Tageszeit und vollkommen selbstbestimmt zu starten. 

Sie ist unabhängig von Terminen und Gruppengrößen, in beliebige Sprachen übersetzbar und durch unzählige verschiedene Medien erweiterbar. Bilder, Videos, Links zu Webseiten, Sprachnachrichten, Quizzes und Schätzfragen – die Informationen können vielfältig präsentiert werden und so zum Mitdenken anregen. 

Je mehr Menschen einen niederschwelligen und motivierenden Zugang zu diesen Themen finden, desto bewusster werden wir uns als Gesellschaft unserer Vergangenheit. Ein erster Schritt zur Aufarbeitung. 

Wenn du auch der Meinung bist, dass kritische Führungen viel häufiger vorkommen sollten, dann abonniere unseren Newsletter. Wir schreiben regelmäßig über unsere Projekte und stellen neue Routen vor, die sich kritisch mit Orten auseinandersetzen.

Teambuilding: Wie echte Berührungspunkte auch im Home-Office entstehen

Die Personalabteilung steht vor großen Herausforderungen

Teamarbeit ist in vielen Büros ein wesentlicher Bestandteil kreativer Arbeitsprozesse. Bisher ließ sich das Teambuilding durch Sitzungen im Konferenzraum oder Grillabende auf der firmeneigenen Terrasse erreichen. Gewohnte Prozesse und Abläufe wurden durch die Pandemie auf den Kopf gestellt und müssen neu gedacht werden. Dass diese Entwicklungen nicht nur ein kurzlebiger Trend sind, zeigt unter anderem eine Studie der Universität zu Köln¹. Die Mehrheit der Mitarbeitenden wünscht sich eine stärkere Fokussierung auf ergebnisorientierte Arbeit, die dann auch nach der Pandemie an einigen Tagen in der Woche im Home-Office erledigt werden kann.

  • Wie können Mitarbeitende auch im Home-Office gefördert werden? 
  • Und wie können soziale Beziehungen und emotionale Bindungen auch auf Distanz entstehen? 
  • Wie kann Teambuilding auch digital gelingen? 

Diese Fragen stellen Personalabteilungen vor ganz neue Herausforderungen.

Neue Mitarbeitende werden nicht mehr richtig eingearbeitet

Personaler wissen, besonders neue Teammitglieder profitieren von einer engen Zusammenarbeit. Offizielle Anweisungen und Unterrichtungen können von Natur aus nicht alle Facetten der täglichen Arbeit abdecken. Es ist, als würden wir ein neues Brettspiel kennenlernen, so richtig verstehen wir die Regeln erst beim Spielen der ersten Runden. 

Neue Mitarbeitende brauchen den Erfahrungsschatz der Eingearbeiteten, um auch die kleinen Tricks und Kniffe, die Gewohnheiten und die Unternehmenskultur kennenzulernen. All das lässt sich unter der geflügelten Formulierung “learning on the job” zusammenfassen.

Doch was passiert, wenn es diese Phase nicht wirklich gibt? Findet die Einarbeitung ganz oder teilweise im Home-Office statt, fehlen diese wertvollen Einsichten in die Abläufe und Strukturen des Unternehmens. Wer in der Mitte des letzten Jahres neu eingestellt wurde, die Kolleginnen und Kollegen aber noch nie persönlich gesehen hat, könnte bis zum heutigen Tag nicht komplett eingearbeitet sein. Während kleine Fragen zu den Prozessen im gemeinsamen Teamraum schnell mal nebenbei gestellt werden konnten, bedarf es nun eines Anrufs oder einer Mail. Das baut eine zusätzliche Hürde auf und führt im schlimmsten Fall dazu, dass Fragen einfach nicht gestellt werden. Neue Mitarbeitende werden dann nicht mehr richtig eingearbeitet.

Nachfolgesicherung in Gefahr?

Was auf der einen Seite für das Onboarding wichtig ist, hat auch in der Nachfolgesicherung eine zentrale Bedeutung. Die Führungskräfte und Abteilungsleiter von morgen müssen erkannt werden, um sie gezielt zu fördern. Das setzt voraus, dass ihre individuellen Fähigkeiten in der Praxis gesehen werden.

Im Home-Office fehlen echte Berührungspunkte

Zu guter letzt brauchen Teams einfach den direkten Kontakt. Sie brauchen den Raum und die Zeit, soziale Beziehungen untereinander aufzubauen, denn nur so gelingt langfristig eine kreative und produktive Zusammenarbeit. Am Ende spiegelt sich das auch in der Zufriedenheit der Teammitglieder wider. Mitarbeitende, die sich isoliert fühlen, sind weniger zufrieden. Darin zeigt sich unser aller Bedürfnis nach emotionalen Beziehungen, auch im Berufsalltag. 

Der weitverbreitete “Flurfunk” mehr ist als nur der Austausch des neuesten Klatsch und Tratsch.“

Dass der weitverbreitete “Flurfunk” mehr ist als nur der Austausch des neuesten Klatsch und Tratsch unter Mitarbeitenden, wird vielen Angestellten im Home-Office schmerzlich bewusst. Neben dem persönlichen Kontakt fehlt es auch an kurzen Absprachen zwischendurch, wodurch Meetings in die Länge gezogen werden.

Einer Befragung der Universität zu Köln zufolge erschwert das die Weitergabe von Informationen, blockiert das Verfolgen spontaner Ideen und erschwert bürokratische Prozesse, denn der “kurze Dienstweg” ist nur noch selten eine Option. Kurzum: Viele Teams arbeiten nicht mehr richtig zusammen und verschiedene Bereiche arbeiten nicht mehr bereichsübergreifend.

Eingespielte Teams sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie sind motivierter, arbeiten effizienter und finden in herausfordernden Situationen schneller Lösungen. Darüber hinaus gilt der soziale Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen und das Vertrauen auf den Rückhalt aus dem Team – auch und besonders in arbeitsintensiven Phasen – als ein Schutzfaktor gegen Burnouts². Teambuilding ist mehr als nur ein Schlagwort. Doch viele Angestellte und Führungskräfte berichten davon, dass echte Berührungspunkte im Home-Office fehlen. 

Bedeutet das, Home-Office und Teambuilding sind nicht zu vereinbaren? Häufig fehlt es allen Beteiligten an echten Alternativen, die einen spürbaren Unterschied für das Miteinander machen. Die gute Nachricht lautet: Mit den passenden Strategien können Personalmanager auch aus dem Home-Office heraus für emotionale Verbindungen sorgen. Zuvor sollten wir uns die Frage stellen, was ein Team-Gefühl ausmacht.

Teambuilding Strategien für das Wir-Gefühl

Was braucht ein Team, um gut zu funktionieren? Sehr wahrscheinlich haben Sie schon vor langer Zeit von der viel besprochenen “Google-Studie” gehört. Bei Google stellte man sich die gleiche Frage und untersuchte daraufhin mehrere hundert interne Teams. Man vermutete, dass die Zusammensetzung der Teams eine zentrale Rolle spielt. 

  • Sollten Teammitglieder ähnliche Vorlieben und Persönlichkeitseigenschaften haben oder sich ergänzen? 
  • Sollten Sie die Expertise im gleichen Bereich haben? 
  • Treiben Top-Performer das Team voran oder werden sie ausgebremst? 

Am Ende stellte sich ein einziger Faktor als der entscheidende Punkt heraus. 

Wie sicher fühlst du dich?

Die psychologische Sicherheit stellte sich als der bedeutsamste Faktor für die Produktivität von Teams heraus. Egal, wie die Gruppen zusammengesetzt waren – wenn die einzelnen Mitglieder sich sicher fühlten, lieferten sie die besten Ergebnisse. Zu dieser Sicherheit zählt, sich frei äußern zu können, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Dann werden auch die Gedanken eingebracht, die noch nicht zu Ende gedacht sind und können wichtige Impulse für das gesamte Team liefern. 

Alle Mitarbeitenden müssen sich sicher sein können, dass sie den Rückhalt des Teams haben. Dass sie sich gegenseitig respektvoll und aufmerksam gegenübertreten, Kritik konstruktiv äußern und alle als wertvolle Mitglieder der Gruppe wahrgenommen werden.

Dadurch entsteht die notwendige entspannte Atmosphäre, in der alle Beteiligten effektiv denken und arbeiten können. Es entsteht die Freiheit, ohne Angst Fragen zu stellen. Die psychologische Sicherheit ist die Grundlage aller anderen Faktoren, die das Team beeinflussen.

Die psychologische Sicherheit ist die Grundlage aller anderen Faktoren, die das Team beeinflussen.

Warum ist Smalltalk für das Teambuilding so wichtig?

“Wie geht es den Kindern?” “Hast du das gestern auch gesehen?” Wenn sich ein Team am Morgen trifft, ist der Smalltalk vorprogrammiert. In den ersten zehn Minuten werden die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht oder wohin es in den nächsten Ferien in den Urlaub gehen soll. Vorausgesetzt, die psychologische Sicherheit ist gegeben. Diese informellen Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil der Teamkultur. Noch bevor es um das aktuelle Projekt geht, sorgen diese informellen Gespräche für die Grundlage der Produktivität: das Wir-Gefühl. 

Haben sich beim Smalltalk alle “warm geredet”, geht es in die formellen Gespräche. Natürlich ist Ihnen längst klar, dass regelmäßige Updates zu allen Projekten innerhalb des Teams wichtig sind. Doch wussten Sie, dass diese formellen Gespräche gleichzeitig einen wichtigen Einfluss auf das Gruppengefühl haben? Es gibt den Mitgliedern des Teams das Gefühl, nichts verpasst zu haben und die zentralen Prozesse grundlegend einschätzen zu können. 

Teams müssen attraktiv sein

Ein Teil unserer Persönlichkeit strebt immer nach Anerkennung. Wir fühlen uns gern zu starken Gruppen zugehörig, die etwas in unseren Augen Richtiges tun. Die Mitgliedschaft wird umso attraktiver, je zufriedener alle Mitarbeitenden mit den anderen Gruppenmitgliedern sind. Sind die anderen Teammitglieder verlässlich? Ist das, was wir hier tun, in irgendeiner Form bedeutsam? Und hat die Arbeit des Teams positive Wirkungen auf das Unternehmen, die Branche oder die Gesellschaft? 

Je positiver wir die Gruppe einschätzen, desto selbstbewusster vertreten wir sie auch nach außen. Und desto mehr Leistung sind wir bereit zu geben. 

Digitale Räume bringen Hürden mit sich

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird Ihnen wahrscheinlich glasklar, warum Teambuilding im digitalen Raum so schwierig ist. Viele Angestellte sitzen jeden Tag in virtuellen Meetings, von denen viele eine E-Mail hätten sein können. Und trotz all der Meetings bleibt dabei keine Zeit für den informellen Austausch, den Smalltalk zwischendurch. Das macht es schwer, vertrauensvolle Beziehungen zu knüpfen und ein Wir-Gefühl aufzubauen. 

Zusätzlich ist die Technik häufig eine weitere Hürde. Ohne direkten Blickkontakt und das Lesen der Körpersprache der Anderen fehlen wichtige Bestandteile in der Kommunikation, wie wir sie gewohnt sind. Das erschwert den Aufbau der psychologischen Sicherheit. Verstärkt wird dieser Effekt von einer generellen Unsicherheit im Umgang mit digitalen Tools und dem physischen Equipment wie Mikrofon und Kamera. Die digitale Kommunikation ist nicht schlechter, doch sie ist anders. Und wir müssen lernen, auch im digitalen Raum für eine echte Team-Atmosphäre zu sorgen. 

So gelingt Teambuilding auch online

Wir müssen den Raum für wertvolle Beziehungen untereinander eröffnen, um Teambuilding zu ermöglichen. Das heißt, wir müssen für regelmäßige Interaktionen außerhalb von Projekten sorgen und dabei gemeinsame positive Erlebnisse schaffen. Diese drei Dinge können wir dafür ganz konkret tun:

  • Planen Sie aktiv Zeit für Zwischenmenschliches ein.
  • Lassen Sie soziale Interaktionen nebenbei passieren.
  • Schaffen Sie eine besondere Atmosphäre.

Planen Sie aktiv Zeit für Zwischenmenschliches ein

Oft ist es gar keine bewusste Entscheidung, soziale Interaktionen außen vor zu lassen. In den meisten Fällen wird sie schlicht und ergreifend vergessen. Immerhin ist unsere Zeit kostbar und es gibt immer viel zu tun. Doch wie mit allen Dingen, die wir aufschieben, wird es auch in diesem Fall nie den Punkt geben, an dem wir plötzlich mehr Zeit haben. Es gibt immer viel zu tun.

Umso wichtiger ist es, für Zwischenmenschliches aktiv Zeit einzuplanen. Eine Möglichkeit sind gemeinsame virtuelle Kaffeepausen für das Teambuilding. Alle Teammitglieder sind dabei eingeladen, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt digital zu treffen. Das können Kaffeepausen, Stammtischrunden oder ein gemeinsames Mittagessen sein. Dieser Termin sollte in einem regelmäßigen Rhythmus stattfinden und ganz klar begrenzt sein, beispielsweise wöchentlich für eine Stunde. Wichtig ist, dass die Teilnahme in jedem Fall freiwillig erfolgen sollte. Nichts wäre schlimmer für die Stimmung beim Kaffee trinken als fünf Kollegen und Kolleginnen, die gelangweilt auf den Bildschirm starren. 

Diese Treffen sind dafür gedacht, das Plaudern in der Teeküche auszugleichen. Weil wir im digitalen Raum aber die Hemmung zu sprechen mitdenken müssen, brauchen wir ein klein wenig Vorbereitung. Um ohne größeres Schweigen am Anfang ins Gespräch zu kommen, ist es zu empfehlen, ein ungefähres Gesprächsthema zu definieren und allen im Vorfeld mitzuteilen. Diese Themen sollten für alle leicht zugänglich sein, sodass auch wirklich alle mitreden können. Zu den Evergreens gehören hier natürlich Hobbies, Urlaubspläne, Sport, Musik, Serien und so weiter. Je besser sich das Team bereits kennt, desto ausgefallener können die Themen natürlich werden. Wenn sich das Gespräch von diesem Thema löst, sollten Sie es einfach geschehen lassen. Der wichtigste Punkt ist, dass sich ein natürliches Gespräch entwickelt. 

Selbstverständlich können diese Treffen auch größer gedacht werden, um verschiedene Arbeitsbereiche in einen regelmäßigen Austausch kommen zu lassen.

Hat das Team Gefallen an diesen Treffen gefunden, sind sie vielleicht sogar offen für gemeinsame digitale Spielerunden. Es gibt im Internet eine Vielzahl von Spielen, die leicht zu erlernen und frei verfügbar sind. Beliebt sind beispielsweise Zeichenspiele, bei denen Begriffe von einer Person gezeichnet und von den anderen erraten werden müssen (ganz ála Activity). Keine Sorge, niemand kann zeichnen – Spaß macht es trotzdem. Zwei Beispiele für diese Art von Spielen sind www.skribbl.io und www.garticphone.com

Lassen Sie soziale Interaktionen nebenbei passieren

Im Gespräch darüber, wie Teambuilding auch aus dem Home-Office heraus gelingen kann, sagte eine langjährige HR-Mitarbeiterin folgenden Satz: “Es braucht keine gesonderten Happenings für sozialen Kontakt”. Was sie meinte, war, dass soziale Beziehungen während der Arbeit an gemeinsamen Projekten entstehen – also nebenbei. 

Es wird immer Menschen geben, die kein Interesse an virtuellen Kaffeepausen haben oder einfach nicht gern Spiele spielen. Und das ist okay und muss respektiert werden. Glücklicherweise gibt es genügend Alternativen, die Beziehungsebene auch in digitalen Arbeitskontexten mit einzubeziehen.

Eine einfache Methode sind Check In und Check Out am Anfang und Ende eines Meetings. Beim Check In können alle virtuell Anwesenden einen kurzen Statusbericht zu sich selbst abgeben. Was bewegt sie gerade? Mit welcher Stimmung starten sie in das Meeting? Analog gibt es den Check Out am Ende, bei dem es um die Stimmung nach dem Meeting und den Plänen für den restlichen Tag gehen kann. Planen Sie für jede der Phasen mindestens fünf Minuten ein. Was genau an diesen Stellen gefragt und besprochen wird, ist vielfältig. Wichtig ist hierbei vielmehr, dass überhaupt über Persönliches gesprochen wird. Doch das ist nicht immer der Fall, besonders dann, wenn noch keine sozialen Beziehungen etabliert sind.

In dieser Situation können etwas ausgiebigere Veranstaltungen hilfreich sein. Und das, ohne dass dafür ein eigenes Happening für Soziales stattfindet. Eine gemeinsame Online-Weiterbildung vereint zwei Effekte: das Team erweiterte seine methodischen Kompetenzen und baut gleichzeitig soziale Beziehungen untereinander auf. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Weiterbildung interaktiv aufgebaut ist und darauf setzt, dass die Teilnehmenden in Kleingruppen an Aufgaben arbeiten.

Gerade digitale Weiterbildungen müssen alle Anwesenden mit einbeziehen. Online konkurrieren Workshops mit Social Media, dem E-Mail-Postfach und den Urlaubsfotos, die dringend noch sortiert werden müssen. Gute Online-Workshops zeichnen sich deshalb durch eine hohe Interaktivität, kurze Inputs und kleinschrittiges Lernen mit hohem Anwendungsanteil aus. Während der Bearbeitung von Aufgaben in diesem Setting kommen die Teammitglieder ganz automatisch miteinander ins Gespräch, lernen die Denkweise der anderen kennen und können sich schrittweise annähern. Und das Beste ist: Es fühlt sich nicht künstlich erzeugt an. 

Echte Berührungspunkte sind auch online möglich

Home-Office muss noch lange nicht bedeuten, dass soziale Beziehungen und Teambuilding zu kurz kommen. Wie so oft ist es eine Frage der Herangehensweise und des Einfallsreichtums. Sorgen Sie dafür, dass 1. in Ihrem Online-Teammeeting in der nächsten Woche Zeit für Persönliches bleibt, 2. Sie Ihrem Team in separaten Treffen die Gelegenheit zum Kennenlernen und Netzwerken geben und 3. Sie digitale Weiterbildungen planen, in denen Raum zum Teambuilding bleibt. So kann der direkte Kontakt zwischen Mitarbeitenden auch online entstehen und Sie sind einen guten Schritt weiter. 

Quellen

¹Neumann, J., Lindert, L., Seinsche, L., Seike, S., Pfaff, H. (2020). Homeoffice- und Präsenzkultur im öffentlichen Dienst in Zeiten der Covid-19-Pandemie – Ergebnisbericht August. Köln: IMVR – Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln. Abgerufen unter: https://kups.ub.uni-koeln.de/11744/1/Homeofficekultur%20im%20oeffentlichen%20Dienst%20in%20Zeiten%20von%20Corona_Ergebnisbericht.pdf

²Holz, M., Zapf, D., Scheppa-Lahyani, M. (2019). Teamarbeit, soziale Konflikte und Mobbing. In: Knieps, F., Pfaff, H. (Hrsg.) BKK Gesundheitsreport 2019. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin. (231 – 238). Abgerufen unter: https://www.bkk-dachverband.de/fileadmin/Artikelsystem/Publikationen/2019/BKK_Gesundheitseport_2019_eBook.pdf

Strukturen und Gewohnheiten statt Ziele

Ich kaufe mir nur sehr selten ein neues Smartphone. Ziemlich genau dann, wenn das vorherige praktisch auseinanderfällt. Vor zwei Jahren war das mal wieder der Fall. Das erste, was ich gemacht habe, ist das neue Smartphone auf meine Ziele anzupassen. Ich will erreichbar sein, meine Termin im Blick haben und Aufgaben organisieren. Also Messenger-Apps installieren, Kalender auf den Startbildschirm, To-Do-App (Todoist-Ultra ✅) griffbereit. Noch schnell den Wecker stellen und fertig. Das System steht, mit dem ich die nächsten Jahre arbeiten kann. 

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir uns auch selbst so einstellen könnten? Wenn wir überlegen könnten, welche Ziele wir haben und unser System dann einfach daran anpassen? 

Ziele allein reichen nicht aus. 

Stattdessen passiert häufig folgendes: Wir wünschen uns einen Zustand in der Zukunft und setzen uns ein Ziel: “Ich will häufiger Blogbeiträge schreiben.” Mit dem festen Vorsatz, jetzt “jede Woche” einen neuen Blogartikel zu schreiben, starten wir in den neuen Lebensabschnitt – dieses Mal wird alles anders! Doch dann kommt der Alltag dazwischen. Montag und Dienstag ging es leider nicht, da mussten wir zu lang arbeiten. Mittwoch kam spontan Besuch und Donnerstag und Freitag hatten wir einfach nicht den Kopf dafür frei. Und das Wochenende war eh schon verplant. Dann halt ab der nächsten Woche. 

Das ist so, als würden wir unser neues Smartphone nie einrichten, sondern uns einfach an die Apps anpassen, die vorinstalliert sind. Natürlich installieren wir uns andere Apps, die zu unserem Lebensstil passen. 

Ich geb’s zu: Das Beispiel stammt direkt aus meinem Leben.

Ich setze mir seit vielen Jahren regelmäßig Ziele für das Jahr, den Monat, die Woche, den Tag. Einige davon erreiche ich, andere nicht. Dafür erreiche ich oft andere Dinge, die gar nicht so konkret als Ziel definiert waren. Am Ende ist das Ziel nicht entscheidend für das Ergebnis. Doch was ist es dann, was über das Erreichen oder Scheitern entscheidet?

Regelmäßige Aufgaben  müssen zur Gewohnheit werden

Ich würde nie vergessen, mir morgens Kaffee zu kochen. Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, wach zu werden oder den lieblich-bitteren Geschmack von Kaffee zu genießen – trotzdem koche ich jeden Morgen Kaffee. Eine Gewohnheit. Dadurch habe ich eine gewisse Expertise bei der Bedienung meiner Kaffeemaschine erworben. Na gut, das ist nichts Besonderes, denn dabei handelt es sich um eine einfache Filtermaschine. Aber was wäre, wenn ich jeden morgen schreiben würde? Mit Sicherheit würde ich nach einiger Zeit genauso schnell den ersten Absatz eines Blogartikels schreiben, wie ich jetzt die Kaffeefilter falte und mit Kaffee fülle. 

Wenn wir es schaffen, dass regelmäßige Aufgaben zu Gewohnheiten werden, ist es keine Frage mehr, wann wir diese Aufgaben erledigen. Wenn wir wissen, dass Montag, Mittwoch und Freitag um 18 Uhr unser Workout beginnt, dann stellt sich die Frage nicht mehr, wann wir in dieser Woche Sport machen können. Unser Sport muss so selbstverständlich werden, dass wir automatisch damit beginnen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. 

Wir brauchen Strukturen, um uns Gewohnheiten anzutrainieren

Um diesen Automatismus zu erleichtern, dass wir jeden Morgen nach dem Kaffee kochen eine Stunde schreiben, muss uns unser Umfeld dabei unterstützen. Dazu gehört beispielsweise der Ort, an dem du schreiben möchtest. Schreibst du an deinem Küchentisch? Was sollte auf dem Tisch stehen, um dich zu inspirieren? Noch viel wichtiger, was darf auf keinem Fall auf deinem Tisch stehen, um dich nicht abzulenken? In welchem Programm schreibst du? Was passiert mit deinem Text im Nachhinein?
Wie schon beschrieben, gehört auch die Zeit dazu. Wir brauchen einen festen Zeitpunkt, der nur zum Schreiben geblockt ist. Ein Termin im Kalender ist gleichzeitig auch ein Signal nach außen: “Wir können unser Meeting erst nach 8 Uhr abhalten, denn vorher schreibe ich.”

Wenn diese Grundsteine gelegt sind, können wir uns um all die anderen Dinge kümmern, die unseren Text-Output unterstützen. Wie sieht das Ergebnis aus? In der Blaue Dächer Digitalwerkstatt haben wir definiert, dass ein Blogartikel zwischen 600 und 800 Wörter lang ist, eine SEO-Keyphrase hat und einen kurzen Beschreibungstext braucht. Außerdem gehört ein Titelbild dazu. Es muss klar definiert sein, wann der Prozess abgeschlossen ist.

Am Ende passiert das Schreiben einfach

Natürlich wird eine neue Routine nicht nach der ersten Woche zu einer festen Gewohnheit. Doch im Laufe der Zeit verfestigt sich, was wir tun. Das gilt für alle Dinge, die wir in unserem Leben machen: Je häufiger wir sie ausüben, desto stärker werden sie Teil unserer Persönlichkeit. Was wir brauchen sind Ziele, die wir wirklich anstreben und eine gute Struktur, mit der wir uns die dafür nötigen Gewohnheiten antrainieren.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, empfehle ich dir das Buch Atomic Habits von James Clear (unbezahlte Werbung).

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