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Teambuilding: Wie echte Berührungspunkte auch im Home-Office entstehen

Die Personalabteilung steht vor großen Herausforderungen

Teamarbeit ist in vielen Büros ein wesentlicher Bestandteil kreativer Arbeitsprozesse. Bisher ließ sich das Teambuilding durch Sitzungen im Konferenzraum oder Grillabende auf der firmeneigenen Terrasse erreichen. Gewohnte Prozesse und Abläufe wurden durch die Pandemie auf den Kopf gestellt und müssen neu gedacht werden. Dass diese Entwicklungen nicht nur ein kurzlebiger Trend sind, zeigt unter anderem eine Studie der Universität zu Köln¹. Die Mehrheit der Mitarbeitenden wünscht sich eine stärkere Fokussierung auf ergebnisorientierte Arbeit, die dann auch nach der Pandemie an einigen Tagen in der Woche im Home-Office erledigt werden kann.

  • Wie können Mitarbeitende auch im Home-Office gefördert werden? 
  • Und wie können soziale Beziehungen und emotionale Bindungen auch auf Distanz entstehen? 
  • Wie kann Teambuilding auch digital gelingen? 

Diese Fragen stellen Personalabteilungen vor ganz neue Herausforderungen.

Neue Mitarbeitende werden nicht mehr richtig eingearbeitet

Personaler wissen, besonders neue Teammitglieder profitieren von einer engen Zusammenarbeit. Offizielle Anweisungen und Unterrichtungen können von Natur aus nicht alle Facetten der täglichen Arbeit abdecken. Es ist, als würden wir ein neues Brettspiel kennenlernen, so richtig verstehen wir die Regeln erst beim Spielen der ersten Runden. 

Neue Mitarbeitende brauchen den Erfahrungsschatz der Eingearbeiteten, um auch die kleinen Tricks und Kniffe, die Gewohnheiten und die Unternehmenskultur kennenzulernen. All das lässt sich unter der geflügelten Formulierung “learning on the job” zusammenfassen.

Doch was passiert, wenn es diese Phase nicht wirklich gibt? Findet die Einarbeitung ganz oder teilweise im Home-Office statt, fehlen diese wertvollen Einsichten in die Abläufe und Strukturen des Unternehmens. Wer in der Mitte des letzten Jahres neu eingestellt wurde, die Kolleginnen und Kollegen aber noch nie persönlich gesehen hat, könnte bis zum heutigen Tag nicht komplett eingearbeitet sein. Während kleine Fragen zu den Prozessen im gemeinsamen Teamraum schnell mal nebenbei gestellt werden konnten, bedarf es nun eines Anrufs oder einer Mail. Das baut eine zusätzliche Hürde auf und führt im schlimmsten Fall dazu, dass Fragen einfach nicht gestellt werden. Neue Mitarbeitende werden dann nicht mehr richtig eingearbeitet.

Nachfolgesicherung in Gefahr?

Was auf der einen Seite für das Onboarding wichtig ist, hat auch in der Nachfolgesicherung eine zentrale Bedeutung. Die Führungskräfte und Abteilungsleiter von morgen müssen erkannt werden, um sie gezielt zu fördern. Das setzt voraus, dass ihre individuellen Fähigkeiten in der Praxis gesehen werden.

Im Home-Office fehlen echte Berührungspunkte

Zu guter letzt brauchen Teams einfach den direkten Kontakt. Sie brauchen den Raum und die Zeit, soziale Beziehungen untereinander aufzubauen, denn nur so gelingt langfristig eine kreative und produktive Zusammenarbeit. Am Ende spiegelt sich das auch in der Zufriedenheit der Teammitglieder wider. Mitarbeitende, die sich isoliert fühlen, sind weniger zufrieden. Darin zeigt sich unser aller Bedürfnis nach emotionalen Beziehungen, auch im Berufsalltag. 

Der weitverbreitete “Flurfunk” mehr ist als nur der Austausch des neuesten Klatsch und Tratsch.“

Dass der weitverbreitete “Flurfunk” mehr ist als nur der Austausch des neuesten Klatsch und Tratsch unter Mitarbeitenden, wird vielen Angestellten im Home-Office schmerzlich bewusst. Neben dem persönlichen Kontakt fehlt es auch an kurzen Absprachen zwischendurch, wodurch Meetings in die Länge gezogen werden.

Einer Befragung der Universität zu Köln zufolge erschwert das die Weitergabe von Informationen, blockiert das Verfolgen spontaner Ideen und erschwert bürokratische Prozesse, denn der “kurze Dienstweg” ist nur noch selten eine Option. Kurzum: Viele Teams arbeiten nicht mehr richtig zusammen und verschiedene Bereiche arbeiten nicht mehr bereichsübergreifend.

Eingespielte Teams sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie sind motivierter, arbeiten effizienter und finden in herausfordernden Situationen schneller Lösungen. Darüber hinaus gilt der soziale Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen und das Vertrauen auf den Rückhalt aus dem Team – auch und besonders in arbeitsintensiven Phasen – als ein Schutzfaktor gegen Burnouts². Teambuilding ist mehr als nur ein Schlagwort. Doch viele Angestellte und Führungskräfte berichten davon, dass echte Berührungspunkte im Home-Office fehlen. 

Bedeutet das, Home-Office und Teambuilding sind nicht zu vereinbaren? Häufig fehlt es allen Beteiligten an echten Alternativen, die einen spürbaren Unterschied für das Miteinander machen. Die gute Nachricht lautet: Mit den passenden Strategien können Personalmanager auch aus dem Home-Office heraus für emotionale Verbindungen sorgen. Zuvor sollten wir uns die Frage stellen, was ein Team-Gefühl ausmacht.

Teambuilding Strategien für das Wir-Gefühl

Was braucht ein Team, um gut zu funktionieren? Sehr wahrscheinlich haben Sie schon vor langer Zeit von der viel besprochenen “Google-Studie” gehört. Bei Google stellte man sich die gleiche Frage und untersuchte daraufhin mehrere hundert interne Teams. Man vermutete, dass die Zusammensetzung der Teams eine zentrale Rolle spielt. 

  • Sollten Teammitglieder ähnliche Vorlieben und Persönlichkeitseigenschaften haben oder sich ergänzen? 
  • Sollten Sie die Expertise im gleichen Bereich haben? 
  • Treiben Top-Performer das Team voran oder werden sie ausgebremst? 

Am Ende stellte sich ein einziger Faktor als der entscheidende Punkt heraus. 

Wie sicher fühlst du dich?

Die psychologische Sicherheit stellte sich als der bedeutsamste Faktor für die Produktivität von Teams heraus. Egal, wie die Gruppen zusammengesetzt waren – wenn die einzelnen Mitglieder sich sicher fühlten, lieferten sie die besten Ergebnisse. Zu dieser Sicherheit zählt, sich frei äußern zu können, ohne negative Konsequenzen fürchten zu müssen. Dann werden auch die Gedanken eingebracht, die noch nicht zu Ende gedacht sind und können wichtige Impulse für das gesamte Team liefern. 

Alle Mitarbeitenden müssen sich sicher sein können, dass sie den Rückhalt des Teams haben. Dass sie sich gegenseitig respektvoll und aufmerksam gegenübertreten, Kritik konstruktiv äußern und alle als wertvolle Mitglieder der Gruppe wahrgenommen werden.

Dadurch entsteht die notwendige entspannte Atmosphäre, in der alle Beteiligten effektiv denken und arbeiten können. Es entsteht die Freiheit, ohne Angst Fragen zu stellen. Die psychologische Sicherheit ist die Grundlage aller anderen Faktoren, die das Team beeinflussen.

Die psychologische Sicherheit ist die Grundlage aller anderen Faktoren, die das Team beeinflussen.

Warum ist Smalltalk für das Teambuilding so wichtig?

“Wie geht es den Kindern?” “Hast du das gestern auch gesehen?” Wenn sich ein Team am Morgen trifft, ist der Smalltalk vorprogrammiert. In den ersten zehn Minuten werden die Erlebnisse der letzten Tage ausgetauscht oder wohin es in den nächsten Ferien in den Urlaub gehen soll. Vorausgesetzt, die psychologische Sicherheit ist gegeben. Diese informellen Gespräche sind ein wichtiger Bestandteil der Teamkultur. Noch bevor es um das aktuelle Projekt geht, sorgen diese informellen Gespräche für die Grundlage der Produktivität: das Wir-Gefühl. 

Haben sich beim Smalltalk alle “warm geredet”, geht es in die formellen Gespräche. Natürlich ist Ihnen längst klar, dass regelmäßige Updates zu allen Projekten innerhalb des Teams wichtig sind. Doch wussten Sie, dass diese formellen Gespräche gleichzeitig einen wichtigen Einfluss auf das Gruppengefühl haben? Es gibt den Mitgliedern des Teams das Gefühl, nichts verpasst zu haben und die zentralen Prozesse grundlegend einschätzen zu können. 

Teams müssen attraktiv sein

Ein Teil unserer Persönlichkeit strebt immer nach Anerkennung. Wir fühlen uns gern zu starken Gruppen zugehörig, die etwas in unseren Augen Richtiges tun. Die Mitgliedschaft wird umso attraktiver, je zufriedener alle Mitarbeitenden mit den anderen Gruppenmitgliedern sind. Sind die anderen Teammitglieder verlässlich? Ist das, was wir hier tun, in irgendeiner Form bedeutsam? Und hat die Arbeit des Teams positive Wirkungen auf das Unternehmen, die Branche oder die Gesellschaft? 

Je positiver wir die Gruppe einschätzen, desto selbstbewusster vertreten wir sie auch nach außen. Und desto mehr Leistung sind wir bereit zu geben. 

Digitale Räume bringen Hürden mit sich

Mit diesem Wissen im Hinterkopf wird Ihnen wahrscheinlich glasklar, warum Teambuilding im digitalen Raum so schwierig ist. Viele Angestellte sitzen jeden Tag in virtuellen Meetings, von denen viele eine E-Mail hätten sein können. Und trotz all der Meetings bleibt dabei keine Zeit für den informellen Austausch, den Smalltalk zwischendurch. Das macht es schwer, vertrauensvolle Beziehungen zu knüpfen und ein Wir-Gefühl aufzubauen. 

Zusätzlich ist die Technik häufig eine weitere Hürde. Ohne direkten Blickkontakt und das Lesen der Körpersprache der Anderen fehlen wichtige Bestandteile in der Kommunikation, wie wir sie gewohnt sind. Das erschwert den Aufbau der psychologischen Sicherheit. Verstärkt wird dieser Effekt von einer generellen Unsicherheit im Umgang mit digitalen Tools und dem physischen Equipment wie Mikrofon und Kamera. Die digitale Kommunikation ist nicht schlechter, doch sie ist anders. Und wir müssen lernen, auch im digitalen Raum für eine echte Team-Atmosphäre zu sorgen. 

So gelingt Teambuilding auch online

Wir müssen den Raum für wertvolle Beziehungen untereinander eröffnen, um Teambuilding zu ermöglichen. Das heißt, wir müssen für regelmäßige Interaktionen außerhalb von Projekten sorgen und dabei gemeinsame positive Erlebnisse schaffen. Diese drei Dinge können wir dafür ganz konkret tun:

  • Planen Sie aktiv Zeit für Zwischenmenschliches ein.
  • Lassen Sie soziale Interaktionen nebenbei passieren.
  • Schaffen Sie eine besondere Atmosphäre.

Planen Sie aktiv Zeit für Zwischenmenschliches ein

Oft ist es gar keine bewusste Entscheidung, soziale Interaktionen außen vor zu lassen. In den meisten Fällen wird sie schlicht und ergreifend vergessen. Immerhin ist unsere Zeit kostbar und es gibt immer viel zu tun. Doch wie mit allen Dingen, die wir aufschieben, wird es auch in diesem Fall nie den Punkt geben, an dem wir plötzlich mehr Zeit haben. Es gibt immer viel zu tun.

Umso wichtiger ist es, für Zwischenmenschliches aktiv Zeit einzuplanen. Eine Möglichkeit sind gemeinsame virtuelle Kaffeepausen für das Teambuilding. Alle Teammitglieder sind dabei eingeladen, sich zu einem bestimmten Zeitpunkt digital zu treffen. Das können Kaffeepausen, Stammtischrunden oder ein gemeinsames Mittagessen sein. Dieser Termin sollte in einem regelmäßigen Rhythmus stattfinden und ganz klar begrenzt sein, beispielsweise wöchentlich für eine Stunde. Wichtig ist, dass die Teilnahme in jedem Fall freiwillig erfolgen sollte. Nichts wäre schlimmer für die Stimmung beim Kaffee trinken als fünf Kollegen und Kolleginnen, die gelangweilt auf den Bildschirm starren. 

Diese Treffen sind dafür gedacht, das Plaudern in der Teeküche auszugleichen. Weil wir im digitalen Raum aber die Hemmung zu sprechen mitdenken müssen, brauchen wir ein klein wenig Vorbereitung. Um ohne größeres Schweigen am Anfang ins Gespräch zu kommen, ist es zu empfehlen, ein ungefähres Gesprächsthema zu definieren und allen im Vorfeld mitzuteilen. Diese Themen sollten für alle leicht zugänglich sein, sodass auch wirklich alle mitreden können. Zu den Evergreens gehören hier natürlich Hobbies, Urlaubspläne, Sport, Musik, Serien und so weiter. Je besser sich das Team bereits kennt, desto ausgefallener können die Themen natürlich werden. Wenn sich das Gespräch von diesem Thema löst, sollten Sie es einfach geschehen lassen. Der wichtigste Punkt ist, dass sich ein natürliches Gespräch entwickelt. 

Selbstverständlich können diese Treffen auch größer gedacht werden, um verschiedene Arbeitsbereiche in einen regelmäßigen Austausch kommen zu lassen.

Hat das Team Gefallen an diesen Treffen gefunden, sind sie vielleicht sogar offen für gemeinsame digitale Spielerunden. Es gibt im Internet eine Vielzahl von Spielen, die leicht zu erlernen und frei verfügbar sind. Beliebt sind beispielsweise Zeichenspiele, bei denen Begriffe von einer Person gezeichnet und von den anderen erraten werden müssen (ganz ála Activity). Keine Sorge, niemand kann zeichnen – Spaß macht es trotzdem. Zwei Beispiele für diese Art von Spielen sind www.skribbl.io und www.garticphone.com

Lassen Sie soziale Interaktionen nebenbei passieren

Im Gespräch darüber, wie Teambuilding auch aus dem Home-Office heraus gelingen kann, sagte eine langjährige HR-Mitarbeiterin folgenden Satz: “Es braucht keine gesonderten Happenings für sozialen Kontakt”. Was sie meinte, war, dass soziale Beziehungen während der Arbeit an gemeinsamen Projekten entstehen – also nebenbei. 

Es wird immer Menschen geben, die kein Interesse an virtuellen Kaffeepausen haben oder einfach nicht gern Spiele spielen. Und das ist okay und muss respektiert werden. Glücklicherweise gibt es genügend Alternativen, die Beziehungsebene auch in digitalen Arbeitskontexten mit einzubeziehen.

Eine einfache Methode sind Check In und Check Out am Anfang und Ende eines Meetings. Beim Check In können alle virtuell Anwesenden einen kurzen Statusbericht zu sich selbst abgeben. Was bewegt sie gerade? Mit welcher Stimmung starten sie in das Meeting? Analog gibt es den Check Out am Ende, bei dem es um die Stimmung nach dem Meeting und den Plänen für den restlichen Tag gehen kann. Planen Sie für jede der Phasen mindestens fünf Minuten ein. Was genau an diesen Stellen gefragt und besprochen wird, ist vielfältig. Wichtig ist hierbei vielmehr, dass überhaupt über Persönliches gesprochen wird. Doch das ist nicht immer der Fall, besonders dann, wenn noch keine sozialen Beziehungen etabliert sind.

In dieser Situation können etwas ausgiebigere Veranstaltungen hilfreich sein. Und das, ohne dass dafür ein eigenes Happening für Soziales stattfindet. Eine gemeinsame Online-Weiterbildung vereint zwei Effekte: das Team erweiterte seine methodischen Kompetenzen und baut gleichzeitig soziale Beziehungen untereinander auf. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Weiterbildung interaktiv aufgebaut ist und darauf setzt, dass die Teilnehmenden in Kleingruppen an Aufgaben arbeiten.

Gerade digitale Weiterbildungen müssen alle Anwesenden mit einbeziehen. Online konkurrieren Workshops mit Social Media, dem E-Mail-Postfach und den Urlaubsfotos, die dringend noch sortiert werden müssen. Gute Online-Workshops zeichnen sich deshalb durch eine hohe Interaktivität, kurze Inputs und kleinschrittiges Lernen mit hohem Anwendungsanteil aus. Während der Bearbeitung von Aufgaben in diesem Setting kommen die Teammitglieder ganz automatisch miteinander ins Gespräch, lernen die Denkweise der anderen kennen und können sich schrittweise annähern. Und das Beste ist: Es fühlt sich nicht künstlich erzeugt an. 

Echte Berührungspunkte sind auch online möglich

Home-Office muss noch lange nicht bedeuten, dass soziale Beziehungen und Teambuilding zu kurz kommen. Wie so oft ist es eine Frage der Herangehensweise und des Einfallsreichtums. Sorgen Sie dafür, dass 1. in Ihrem Online-Teammeeting in der nächsten Woche Zeit für Persönliches bleibt, 2. Sie Ihrem Team in separaten Treffen die Gelegenheit zum Kennenlernen und Netzwerken geben und 3. Sie digitale Weiterbildungen planen, in denen Raum zum Teambuilding bleibt. So kann der direkte Kontakt zwischen Mitarbeitenden auch online entstehen und Sie sind einen guten Schritt weiter. 

Quellen

¹Neumann, J., Lindert, L., Seinsche, L., Seike, S., Pfaff, H. (2020). Homeoffice- und Präsenzkultur im öffentlichen Dienst in Zeiten der Covid-19-Pandemie – Ergebnisbericht August. Köln: IMVR – Institut für Medizinsoziologie, Versorgungsforschung und Rehabilitationswissenschaft der Humanwissenschaftlichen Fakultät und der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln. Abgerufen unter: https://kups.ub.uni-koeln.de/11744/1/Homeofficekultur%20im%20oeffentlichen%20Dienst%20in%20Zeiten%20von%20Corona_Ergebnisbericht.pdf

²Holz, M., Zapf, D., Scheppa-Lahyani, M. (2019). Teamarbeit, soziale Konflikte und Mobbing. In: Knieps, F., Pfaff, H. (Hrsg.) BKK Gesundheitsreport 2019. Berlin: MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Berlin. (231 – 238). Abgerufen unter: https://www.bkk-dachverband.de/fileadmin/Artikelsystem/Publikationen/2019/BKK_Gesundheitseport_2019_eBook.pdf

Strukturen und Gewohnheiten statt Ziele

Ich kaufe mir nur sehr selten ein neues Smartphone. Ziemlich genau dann, wenn das vorherige praktisch auseinanderfällt. Vor zwei Jahren war das mal wieder der Fall. Das erste, was ich gemacht habe, ist das neue Smartphone auf meine Ziele anzupassen. Ich will erreichbar sein, meine Termin im Blick haben und Aufgaben organisieren. Also Messenger-Apps installieren, Kalender auf den Startbildschirm, To-Do-App (Todoist-Ultra ✅) griffbereit. Noch schnell den Wecker stellen und fertig. Das System steht, mit dem ich die nächsten Jahre arbeiten kann. 

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir uns auch selbst so einstellen könnten? Wenn wir überlegen könnten, welche Ziele wir haben und unser System dann einfach daran anpassen? 

Ziele allein reichen nicht aus. 

Stattdessen passiert häufig folgendes: Wir wünschen uns einen Zustand in der Zukunft und setzen uns ein Ziel: “Ich will häufiger Blogbeiträge schreiben.” Mit dem festen Vorsatz, jetzt “jede Woche” einen neuen Blogartikel zu schreiben, starten wir in den neuen Lebensabschnitt – dieses Mal wird alles anders! Doch dann kommt der Alltag dazwischen. Montag und Dienstag ging es leider nicht, da mussten wir zu lang arbeiten. Mittwoch kam spontan Besuch und Donnerstag und Freitag hatten wir einfach nicht den Kopf dafür frei. Und das Wochenende war eh schon verplant. Dann halt ab der nächsten Woche. 

Das ist so, als würden wir unser neues Smartphone nie einrichten, sondern uns einfach an die Apps anpassen, die vorinstalliert sind. Natürlich installieren wir uns andere Apps, die zu unserem Lebensstil passen. 

Ich geb’s zu: Das Beispiel stammt direkt aus meinem Leben.

Ich setze mir seit vielen Jahren regelmäßig Ziele für das Jahr, den Monat, die Woche, den Tag. Einige davon erreiche ich, andere nicht. Dafür erreiche ich oft andere Dinge, die gar nicht so konkret als Ziel definiert waren. Am Ende ist das Ziel nicht entscheidend für das Ergebnis. Doch was ist es dann, was über das Erreichen oder Scheitern entscheidet?

Regelmäßige Aufgaben  müssen zur Gewohnheit werden

Ich würde nie vergessen, mir morgens Kaffee zu kochen. Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, wach zu werden oder den lieblich-bitteren Geschmack von Kaffee zu genießen – trotzdem koche ich jeden Morgen Kaffee. Eine Gewohnheit. Dadurch habe ich eine gewisse Expertise bei der Bedienung meiner Kaffeemaschine erworben. Na gut, das ist nichts Besonderes, denn dabei handelt es sich um eine einfache Filtermaschine. Aber was wäre, wenn ich jeden morgen schreiben würde? Mit Sicherheit würde ich nach einiger Zeit genauso schnell den ersten Absatz eines Blogartikels schreiben, wie ich jetzt die Kaffeefilter falte und mit Kaffee fülle. 

Wenn wir es schaffen, dass regelmäßige Aufgaben zu Gewohnheiten werden, ist es keine Frage mehr, wann wir diese Aufgaben erledigen. Wenn wir wissen, dass Montag, Mittwoch und Freitag um 18 Uhr unser Workout beginnt, dann stellt sich die Frage nicht mehr, wann wir in dieser Woche Sport machen können. Unser Sport muss so selbstverständlich werden, dass wir automatisch damit beginnen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. 

Wir brauchen Strukturen, um uns Gewohnheiten anzutrainieren

Um diesen Automatismus zu erleichtern, dass wir jeden Morgen nach dem Kaffee kochen eine Stunde schreiben, muss uns unser Umfeld dabei unterstützen. Dazu gehört beispielsweise der Ort, an dem du schreiben möchtest. Schreibst du an deinem Küchentisch? Was sollte auf dem Tisch stehen, um dich zu inspirieren? Noch viel wichtiger, was darf auf keinem Fall auf deinem Tisch stehen, um dich nicht abzulenken? In welchem Programm schreibst du? Was passiert mit deinem Text im Nachhinein?
Wie schon beschrieben, gehört auch die Zeit dazu. Wir brauchen einen festen Zeitpunkt, der nur zum Schreiben geblockt ist. Ein Termin im Kalender ist gleichzeitig auch ein Signal nach außen: “Wir können unser Meeting erst nach 8 Uhr abhalten, denn vorher schreibe ich.”

Wenn diese Grundsteine gelegt sind, können wir uns um all die anderen Dinge kümmern, die unseren Text-Output unterstützen. Wie sieht das Ergebnis aus? In der Blaue Dächer Digitalwerkstatt haben wir definiert, dass ein Blogartikel zwischen 600 und 800 Wörter lang ist, eine SEO-Keyphrase hat und einen kurzen Beschreibungstext braucht. Außerdem gehört ein Titelbild dazu. Es muss klar definiert sein, wann der Prozess abgeschlossen ist.

Am Ende passiert das Schreiben einfach

Natürlich wird eine neue Routine nicht nach der ersten Woche zu einer festen Gewohnheit. Doch im Laufe der Zeit verfestigt sich, was wir tun. Das gilt für alle Dinge, die wir in unserem Leben machen: Je häufiger wir sie ausüben, desto stärker werden sie Teil unserer Persönlichkeit. Was wir brauchen sind Ziele, die wir wirklich anstreben und eine gute Struktur, mit der wir uns die dafür nötigen Gewohnheiten antrainieren.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, empfehle ich dir das Buch Atomic Habits von James Clear (unbezahlte Werbung).

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Starte unperfekt.

Hör auf, erst die perfekte Kulisse zu bauen und fokussiere dich auf den Wert, den du geben kannst.

Wenn du das hier liest, hast du vermutlich auch tausend Ideen, aber setzt davon nur wenige in die Tat um. Willkommen, so geht’s uns auch oft. Und vermutlich liegt es auch bei dir oft daran, dass die Umstände nicht günstig sind, die Idee noch nicht ausgereift ist oder du einfach noch mehr Zeit zur Vorbereitung brauchst. Wir fühlen das. In genau dieser Schleife hingen wir auch. Zuletzt, weil wir viel zu viel Zeit in die Kulisse unserer Videos investiert haben.

In den letzten Wochen drehte sich bei uns viel um das Produzieren von Videos. Eine große Idee, gut erklärt, anständig visualisiert und mit einer beeindruckenden Erscheinung in Bild und Ton – das war die Vision. Eigentlich ist sie das noch immer. Doch während der Testläufe wurde uns immer klarer, dass wir uns wieder viel mehr auf den Inhalt fokussieren müssen.

Ein gutes Bild und guter Klang sind nette Extras, aber kein Selbstzweck.

Denn die Zuschauenden unserer Videos suchen bei uns keine Ästhetik, sondern eine Lösung für ein Problem. Es ist völlig egal, wie eine gute Lösung für ein Problem gezeigt wird, solange ihr wesentlicher Kern verständlich wird. Eine schicke Einrichtung im Hintergrund, ein hochauflösendes Bild und glasklarer Klang sind nette Ergänzungen. Sie sind aber nicht der Grund, weshalb unsere Videos angesehen werden.

Versteht mich nicht falsch, wir lieben gute Kameras und Mikrofone. Doch gerade beim digitalen Lernen brauchen wir momentan clevere und kreative Lösungen – und zwar schnell. Jeder verlorene Gedanke, jede unausgesprochene Idee kann eine vertane Chance auf eine bessere Zukunft für die Bildung sein. (Dramatische Pause.)

Starte unperfekt. Leg los und scheiter dich voran.

Wir suchen noch immer nach einer guten Kulisse, vor der wir unsere Videos aufnehmen können. Videos nehmen wir trotzdem schon auf. Und das hat zwei Gründe:

  1. Wenn du mit etwas Neuem anfängst, ist klar, dass dir noch ein paar Dinge fehlen. Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir haben kein Studio und auch nicht das Geld dafür, wir haben keine professionelle Kamera und nicht das beste Mikro. Doch das erwartet ja auch niemand. Sei authentisch und beginne mit dem, was du zur Verfügung hast. Gutes Equipment kannst du dir dann Stück für Stück zulegen. Und das bringt uns zum zweiten Punkt.
  2. Wenn du schon Praxiserfahrungen gemacht hast, fallen dir Veränderungen leichter. Im ersten Anlauf wirst du immer kleine Fehler machen, das gehört zum Prozess. Je schneller du erste Erfahrungen machst, desto eher kannst du Dinge anpassen und dich „voran scheitern“. Das gilt auch für die Technik, die zu deinem Zweck passt. Erst durch Ausprobieren erkennen wir unsere Bedürfnisse.

Also konzentriere dich auf den Inhalt, den du teilen möchtest. Wenn du etwas zu sagen hast, werden andere es früher oder später bemerken und wertschätzen.