Mein erster Telefonworkshop

Wir können dich nicht hören, Erik. Sichtlich gestresst, versucht die Lehrerin an den Lautsprechern ihres Laptops irgendetwas zu finden, was das Problem lösen könnte. “Sicher, dass dein Mikro funktioniert?” Natürlich bin ich sicher. Seit einem halben Jahr feile ich an meiner Studio-Ecke im Arbeitszimmer. Die Frage trifft mich etwas zu sehr. 🙃 “Mein Mikro funktioniert.”, tippe ich in den Chat. 

Es ist Montagmittag und ich bin eingeladen, mit einer Abi-Klasse über wissenschaftliches Präsentieren zu reden. Schon die Ausgangssituation war.. herausfordernd: Die Schülerinnen und Schüler sitzen im Klassenraum, während ich über den Online-Meeting-Dienst Adobe Connect zugeschalten werde. Diese hybride Unterrichtsform schafft ganz eigene Herausforderungen, denn dadurch sind wir nicht nur nicht in einem Raum, sondern uns fehlen zusätzlich noch die Vorteile digitaler Workshops, wie virtuelle Whiteboards. Ich hab mich trotzdem darauf eingelassen, denn Präsentieren ist für mich ein leidenschaftliches Thema, über das ich sehr gern spreche. Wenn ich denn gehört werden kann – und daran schien der Workshop gerade zu scheitern.

“Hast du noch ein anderes Mikro, das du probieren kannst?” Am Tag zuvor habe ich mit diesem Mikro einen Podcast aufgenommen – daran liegt es nun wirklich nicht. Ich schüttle den Kopf und mache mich darauf gefasst, den Workshop an dieser Stelle abzubrechen. Doch es entsteht noch eine letzte Idee: Die Lehrerin ruft mich auf dem Handy an und legt mich in die Mitte des Klassenraumes. Und so kam es dazu, dass ich diesen Workshop über die Freisprechfunktion des Telefons der Lehrerin gegeben habe. 😅

Wie das funktioniert hat? Naja, mit Humor genommen ganz gut. Die Klasse konnte mich hören und meine Folien über den Beamer sehen – ich hingegen konnte nur diejenigen hören, die dicht genug am Telefon saßen.  So haben wir eine Stunde lang über das Präsentieren geredet. Es kommt in solchen Situationen darauf an, die Ruhe zu bewahren. Wie kann ich trotz der Umstände interaktiv arbeiten? Was können die Teilnehmenden trotz dieser Umstände mitnehmen? Am Ende gab es dennoch viele (akustische) Interaktionen, zwei Gruppenaufgaben und wir haben viel miteinander gelacht. Im Nachhinein hat mir die Klasse übrigens noch ein Gruppenfoto geschickt und sich für den Input bedankt. 😊

Doch es hätte auch ganz anders laufen können. Deshalb zwei Gedanken:

Liebe Organisator*innen, bitte testet eure Technik vor dem Workshop. Holt euch technikaffine Menschen hinzu, die euch gegebenenfalls bei der Einrichtung beraten können.
Liebe Schulen, bitte betrachtet eure digitale Infrastruktur stärker aus der didaktischen Perspektive. (Wer, wenn nicht ihr?) Was nützt euch ein datenschutzkonformes Programm, wenn es für die Lehre nicht einsatzfähig ist?

Wir unter blauen Dächern arbeiten für didaktisch sinnvolle digitale Bildung und stehen euch sehr gern zur Seite!