Strukturen und Gewohnheiten statt Ziele

Ich kaufe mir nur sehr selten ein neues Smartphone. Ziemlich genau dann, wenn das vorherige praktisch auseinanderfällt. Vor zwei Jahren war das mal wieder der Fall. Das erste, was ich gemacht habe, ist das neue Smartphone auf meine Ziele anzupassen. Ich will erreichbar sein, meine Termin im Blick haben und Aufgaben organisieren. Also Messenger-Apps installieren, Kalender auf den Startbildschirm, To-Do-App (Todoist-Ultra ✅) griffbereit. Noch schnell den Wecker stellen und fertig. Das System steht, mit dem ich die nächsten Jahre arbeiten kann. 

Wäre es nicht wunderbar, wenn wir uns auch selbst so einstellen könnten? Wenn wir überlegen könnten, welche Ziele wir haben und unser System dann einfach daran anpassen? 

Ziele allein reichen nicht aus. 

Stattdessen passiert häufig folgendes: Wir wünschen uns einen Zustand in der Zukunft und setzen uns ein Ziel: “Ich will häufiger Blogbeiträge schreiben.” Mit dem festen Vorsatz, jetzt “jede Woche” einen neuen Blogartikel zu schreiben, starten wir in den neuen Lebensabschnitt – dieses Mal wird alles anders! Doch dann kommt der Alltag dazwischen. Montag und Dienstag ging es leider nicht, da mussten wir zu lang arbeiten. Mittwoch kam spontan Besuch und Donnerstag und Freitag hatten wir einfach nicht den Kopf dafür frei. Und das Wochenende war eh schon verplant. Dann halt ab der nächsten Woche. 

Das ist so, als würden wir unser neues Smartphone nie einrichten, sondern uns einfach an die Apps anpassen, die vorinstalliert sind. Natürlich installieren wir uns andere Apps, die zu unserem Lebensstil passen. 

Ich geb’s zu: Das Beispiel stammt direkt aus meinem Leben.

Ich setze mir seit vielen Jahren regelmäßig Ziele für das Jahr, den Monat, die Woche, den Tag. Einige davon erreiche ich, andere nicht. Dafür erreiche ich oft andere Dinge, die gar nicht so konkret als Ziel definiert waren. Am Ende ist das Ziel nicht entscheidend für das Ergebnis. Doch was ist es dann, was über das Erreichen oder Scheitern entscheidet?

Regelmäßige Aufgaben  müssen zur Gewohnheit werden

Ich würde nie vergessen, mir morgens Kaffee zu kochen. Ich habe mir nie das Ziel gesetzt, wach zu werden oder den lieblich-bitteren Geschmack von Kaffee zu genießen – trotzdem koche ich jeden Morgen Kaffee. Eine Gewohnheit. Dadurch habe ich eine gewisse Expertise bei der Bedienung meiner Kaffeemaschine erworben. Na gut, das ist nichts Besonderes, denn dabei handelt es sich um eine einfache Filtermaschine. Aber was wäre, wenn ich jeden morgen schreiben würde? Mit Sicherheit würde ich nach einiger Zeit genauso schnell den ersten Absatz eines Blogartikels schreiben, wie ich jetzt die Kaffeefilter falte und mit Kaffee fülle. 

Wenn wir es schaffen, dass regelmäßige Aufgaben zu Gewohnheiten werden, ist es keine Frage mehr, wann wir diese Aufgaben erledigen. Wenn wir wissen, dass Montag, Mittwoch und Freitag um 18 Uhr unser Workout beginnt, dann stellt sich die Frage nicht mehr, wann wir in dieser Woche Sport machen können. Unser Sport muss so selbstverständlich werden, dass wir automatisch damit beginnen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. 

Wir brauchen Strukturen, um uns Gewohnheiten anzutrainieren

Um diesen Automatismus zu erleichtern, dass wir jeden Morgen nach dem Kaffee kochen eine Stunde schreiben, muss uns unser Umfeld dabei unterstützen. Dazu gehört beispielsweise der Ort, an dem du schreiben möchtest. Schreibst du an deinem Küchentisch? Was sollte auf dem Tisch stehen, um dich zu inspirieren? Noch viel wichtiger, was darf auf keinem Fall auf deinem Tisch stehen, um dich nicht abzulenken? In welchem Programm schreibst du? Was passiert mit deinem Text im Nachhinein?
Wie schon beschrieben, gehört auch die Zeit dazu. Wir brauchen einen festen Zeitpunkt, der nur zum Schreiben geblockt ist. Ein Termin im Kalender ist gleichzeitig auch ein Signal nach außen: “Wir können unser Meeting erst nach 8 Uhr abhalten, denn vorher schreibe ich.”

Wenn diese Grundsteine gelegt sind, können wir uns um all die anderen Dinge kümmern, die unseren Text-Output unterstützen. Wie sieht das Ergebnis aus? In der Blaue Dächer Digitalwerkstatt haben wir definiert, dass ein Blogartikel zwischen 600 und 800 Wörter lang ist, eine SEO-Keyphrase hat und einen kurzen Beschreibungstext braucht. Außerdem gehört ein Titelbild dazu. Es muss klar definiert sein, wann der Prozess abgeschlossen ist.

Am Ende passiert das Schreiben einfach

Natürlich wird eine neue Routine nicht nach der ersten Woche zu einer festen Gewohnheit. Doch im Laufe der Zeit verfestigt sich, was wir tun. Das gilt für alle Dinge, die wir in unserem Leben machen: Je häufiger wir sie ausüben, desto stärker werden sie Teil unserer Persönlichkeit. Was wir brauchen sind Ziele, die wir wirklich anstreben und eine gute Struktur, mit der wir uns die dafür nötigen Gewohnheiten antrainieren.

Wenn du mehr zu diesem Thema lesen möchtest, empfehle ich dir das Buch Atomic Habits von James Clear (unbezahlte Werbung).

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Starte unperfekt.

Hör auf, erst die perfekte Kulisse zu bauen und fokussiere dich auf den Wert, den du geben kannst.

Wenn du das hier liest, hast du vermutlich auch tausend Ideen, aber setzt davon nur wenige in die Tat um. Willkommen, so geht’s uns auch oft. Und vermutlich liegt es auch bei dir oft daran, dass die Umstände nicht günstig sind, die Idee noch nicht ausgereift ist oder du einfach noch mehr Zeit zur Vorbereitung brauchst. Wir fühlen das. In genau dieser Schleife hingen wir auch. Zuletzt, weil wir viel zu viel Zeit in die Kulisse unserer Videos investiert haben.

In den letzten Wochen drehte sich bei uns viel um das Produzieren von Videos. Eine große Idee, gut erklärt, anständig visualisiert und mit einer beeindruckenden Erscheinung in Bild und Ton – das war die Vision. Eigentlich ist sie das noch immer. Doch während der Testläufe wurde uns immer klarer, dass wir uns wieder viel mehr auf den Inhalt fokussieren müssen.

Ein gutes Bild und guter Klang sind nette Extras, aber kein Selbstzweck.

Denn die Zuschauenden unserer Videos suchen bei uns keine Ästhetik, sondern eine Lösung für ein Problem. Es ist völlig egal, wie eine gute Lösung für ein Problem gezeigt wird, solange ihr wesentlicher Kern verständlich wird. Eine schicke Einrichtung im Hintergrund, ein hochauflösendes Bild und glasklarer Klang sind nette Ergänzungen. Sie sind aber nicht der Grund, weshalb unsere Videos angesehen werden.

Versteht mich nicht falsch, wir lieben gute Kameras und Mikrofone. Doch gerade beim digitalen Lernen brauchen wir momentan clevere und kreative Lösungen – und zwar schnell. Jeder verlorene Gedanke, jede unausgesprochene Idee kann eine vertane Chance auf eine bessere Zukunft für die Bildung sein. (Dramatische Pause.)

Starte unperfekt. Leg los und scheiter dich voran.

Wir suchen noch immer nach einer guten Kulisse, vor der wir unsere Videos aufnehmen können. Videos nehmen wir trotzdem schon auf. Und das hat zwei Gründe:

  1. Wenn du mit etwas Neuem anfängst, ist klar, dass dir noch ein paar Dinge fehlen. Wir stehen noch ganz am Anfang. Wir haben kein Studio und auch nicht das Geld dafür, wir haben keine professionelle Kamera und nicht das beste Mikro. Doch das erwartet ja auch niemand. Sei authentisch und beginne mit dem, was du zur Verfügung hast. Gutes Equipment kannst du dir dann Stück für Stück zulegen. Und das bringt uns zum zweiten Punkt.
  2. Wenn du schon Praxiserfahrungen gemacht hast, fallen dir Veränderungen leichter. Im ersten Anlauf wirst du immer kleine Fehler machen, das gehört zum Prozess. Je schneller du erste Erfahrungen machst, desto eher kannst du Dinge anpassen und dich „voran scheitern“. Das gilt auch für die Technik, die zu deinem Zweck passt. Erst durch Ausprobieren erkennen wir unsere Bedürfnisse.

Also konzentriere dich auf den Inhalt, den du teilen möchtest. Wenn du etwas zu sagen hast, werden andere es früher oder später bemerken und wertschätzen.