Darum brauchen digitale Stadtführungen eine Geschichte

Moderne Stadtführungen können mehr sein, als nur poppig erzählte Info’s zu diesem oder jenem Gebäude. Sie können uns auf eine Reise mitnehmen, auf der wir den Ort und seine Eigenarten selbst entdecken. In einer schnelllebigen Zeit, in der wir es gewohnt sind, immer unterhalten zu werden, müssen wir auch Stadtführungen neu denken. 

Menschen wollen Geschichten hören.

Menschen wollen Geschichten hören. Wir sind ständig umgeben von Geschichten. Kolleg*innen, die über gestern schimpfen, Fotos unserer besten Freunde, die von ihrem Urlaub schwärmen oder Werbeanzeigen, die oft kleine Kurzfilme sind.  Menschen wollen auf eine Reise mitgenommen werden. Und auch digitale Stadtführungen sollten wie eine Reise gedacht werden.

Es geht nicht darum, Stadtführungen als “Fast Food” aufzubereiten, das Nutzer*innen schnell nebenbei “wegsnacken” können. Im Gegenteil: durch eine mitreißende Geschichte vertiefen wir das Erlebnis, das Nutzer*innen während der digitalen Stadtführung haben. Wir ermöglichen ihnen, noch tiefer in das Stadtgefühl einzutauchen. Deshalb sind unsere digitalen Guides mehr, als nur eine Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. 

Eine gelungene Stadtführung braucht

  • einen Themenschwerpunkt als Aufhänger
  • eine authentische Figur, die die Stadt repräsentiert (dazu hier mehr)
  • eine Story, die sich als roter Faden durch die Stadtführung zieht
Worum soll es gehen?

Zuallererst sollten wir unseren Schwerpunkt wählen, der charakteristisch für den Ort ist. Das kann die Industriegeschichte der Stadt sein, die sich besonders gut anhand der Funktechnik erzählen lässt. Oder, wenn wir an eine Museumsführung denken, könnte es um die Darstellung von Bäumen in Gemälden der Renaissance gehen. Dieser Schwerpunkt mag auf den ersten Blick ziemlich speziell wirken. Es ist jedoch weniger wichtig, welcher Schwerpunkt gewählt wird. Wichtig ist, dass überhaupt einer gewählt wird. Der Fokus dient letztendlich als Aufhänger für alle weiteren Informationen, die über den Ort erzählt werden sollen. 

Beispiele für Themenschwerpunkte, die wir setzen können:
Für Stadtführungen:

  • Industrie- /Architekturgeschichte der Stadt
  • Jüdisches Leben in der Stadt
  • Stadt aus Sicht von Jugendlichen/Senioren/…
  • Leben einer historischen Person in der Stadt 

Für Naturorte, Zoos und Museen:

  • Kommunikationsverhalten von Primaten 
  • Paläontologische Perspektive 
  • Mit den Libellen entlang der Uferkante
  • Darstellung der Rollenbilder in den Gemälden der Epoche XY
Wer verkörpert das Thema?

Ist der Schwerpunkt gesetzt, wählen wir uns eine Figur, die das Thema verkörpert oder in besonderem Bezug zum Ort steht. Das könnte das Wappentier sein, wie beispielsweise in Potsdam Golm. Dort führt der Reiher als Wappentier durch den Ort.

Wir können eine historische Persönlichkeit aufgreifen, die in Verbindung zum Ort steht. Doch Achtung: Goethe, Schiller und Kaiser Friedrich sind schon ziemlich langweilig. Wir brauchen frische Gesichter, die in den letzten 70 Jahren Kulturgeschichte weniger abgenutzt wurden. 

Alternativ können wir auch eine fiktive oder reale Person wählen, die stellvertretend für die Zielgruppe steht. In der digitalen Stadtführung für das Jugendforum Naunhof haben wir die Jugendlichen als Figur gewählt. Sie führen andere junge Menschen auf Augenhöhe durch den Ort.

Wie wird daraus eine Geschichte?

Zu guter Letzt wollen wir die “Hand voll Perlen” vermeiden. Was das ist? Als Hand voll Perlen bezeichne ich die lose Aneinanderreihung von Sehenswürdigkeiten. Wenn wir den Ort wirklich in Szene setzen wollen, brauchen wir die Storyline – eine Geschichte, die sich wie ein roter Faden durch die digitale Stadtführung zieht. Dann wird aus den losen Perlen eine Kette. 

Diese Fragen bringen uns der Geschichte näher:

  • Auf welche Reise sollen  die Nutzer*innen mitgenommen werden?
  • Mit welchem Gefühl sollen die Nutzer*innen den Ort in Erinnerung behalten?

Viel zu häufig werden digitale Stadtführungen nur als technisches Problem betrachtet: man muss sie programmieren können. Doch in wirklich guten Stadtführungen steckt mehr. Wir alle wollen Geschichten hören – also sollten wir auch welche erzählen. 

Falls du jetzt Lust hast, deine Geschichte zu schreiben, dann mach einen Termin mit uns aus. 

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